01.04.2025, Berlin | bvdp bvdn bdn zns

Preisverleihung des Dr. Schirbort-Gedenkpreises

Presseerklärung Vereinigung unabhängiger Vertragszahnärzte Niedersachsens

Erster Dr. Schirbort-Gedenkpreis geht an den Kritiker der elektronischen Patientenakte

Hannover. Erstmals verleiht die Vereinigung unabhängiger Vertragszahnärzte Niedersachsens (VuV) den Dr. Schirbort-Gedenkpreis zur Förderung der Freiberuf-
lichkeit. Der mit 4.000 Euro dotierte Preis geht an einen ausgewiesenen Kritiker der elektronischen Patientenakte – den Münchener Psychiater und Psychotherapeuten Dr. med. Andreas Meißner. 2.000 Euro kommen von der VuV, weitere 2.000 Euro von der Interessengemeinschaft Medizin, kurz IG Med. Der Preisträger ist Autor des 2024 erschienenen Buches „Die elektronische Patientenakte – das Ende der Schweigepflicht“. 2020 hatte Meißner für das Bündnis für Datenschutz und Schweigepflicht eine Petition gegen den Zwang zum Anschluss an die Telematik-infrastruktur für Praxen und gegen die zentrale Speicherung der ePA-Daten vor dem Petitionsausschuss des Bundestags in Berlin vertreten. 2023 begleitete er eine weitere Petition gegen die Einführung der ePA-Widerspruchslösung. Die Einführung der elektronischen Patientenakte soll deutschlandweit noch 2025 erfolgen. Den Auftakt machten Hamburg und die Region Franken Mitte Januar. Bei einer Veranstaltung am Samstag, 12. April, um 13.30 Uhr wird Andreas Meißner der Preis von der VuV im Hannover Congress-Centrum
übergeben. Die Veranstaltung moderiert NDR-Journalist Andreas Kuhnt.

Dr. Meißner – ein würdiger Kandidat für den Preis

„Da wir alle, sowohl der Vorstand der IG Med als auch der Vorstand der VuV Niedersachsen, von Ihren vielfältigen Aktionen für den Datenschutz und die ärztliche Schweigepflicht bis zur Petition und Buchveröffentlichung beeindruckt sind, haben wir gemeinsam beschlossen, Ihnen den ersten Dr. Schirbort-Gedenkpreis zuzuerkennen. Wir sind uns einig, dass es keinen würdigeren Kandidaten für diesen Preis gibt“, sagt Dr. Maren Brandt, erste Vorsitzende der VuV Niedersachsen.

Mit dem Preis will der Verband auch die Arbeit von Kolleginnen und Kollegen anerkennen, die sich mit viel Zeitaufwand und Engagement für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen im ärztlichen Beruf einsetzen. Dr. Karl Horst Schirbort war von 1994 bis 2002 ehrenamtlicher Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung gewesen. Bereits 1998 war für ihn erkennbar, dass die Vertretung der Zahnärzteschaft über öffentlich-rechtliche Körperschaften nicht mehr möglich ist. Die zunehmende Fremdbestimmung der zahnärztlichen Selbstverwaltung durch den Staat bewog ihn, mit Mitgliedern des Vorstandes der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Niedersachsen die Vereinigung unabhängiger Vertragszahnärzte e.V. (VuV) zu gründen.

Der engagierte Freiberufler prägte mit seinem Kampf gegen ein staatliches Gesundheitswesen eine Ära und bereitete den Boden für das heutige
Festzuschusssystem. Zu seinen Erfolgen gehört die Mehrkostenregelung im Füllungsbereich. Mit dem Satz „mit begrenzten Mitteln gibt es keine unbegrenzten
Leistungen“ schrieb Schirbort standespolitische Geschichte gegen das zahnärztliche Honorarbudget der Krankenkassen. Er galt als vehementer Kämpfer für eine
freiberufliche Gesundheitspolitik und für die Kostenerstattung. Mit seiner Korb-Idee –Zahnärzte sollten die Kassenzulassung abgeben und nur noch frei praktizieren – konnte er sich berufsintern nicht durchsetzen. Schirbort verstarb mit 85 Jahren am 9.1.2023 in Burgdorf bei Hannover. Dort hatte er viele Jahre lang eine Zahnarztpraxis betrieben.

Kampf für die unabhängige Ausübung des Zahnarztberufs

„In Anerkennung und Erinnerung an die Lebensleistung unseres langjährigen Vorsitzenden Dr. Karl Horst Schirbort haben wir den Schirbort-Gedenkpreis zur Förderung der Freiberuflichkeit ins Leben berufen“, betont Dr. Maren Brandt.

Die VuV Niedersachsen kämpft nach wie vor für die unabhängige und freiberufliche Ausübung der vertragszahnärztlichen Tätigkeit. Der Schirbort-Gedenkpreis wird an Kolleginnen und Kollegen verliehen, die ihre Praxis nach dem 1.1.2014 gegründet haben und als selbstständige Freiberufler in dieser Praxis tätig sind. Weitere Kriterien für die Verleihung des Gedenkpreises sind öffentlichkeitswirksame Protestaktionen wie die Unterstützung von Patientenprotesten, Plakataktionen, Streiks und Praxisschließungen. Kurzum alles, was geeignet ist, Kollegenschaft und Bürger aufzurütteln und über Missstände zu informieren. Andreas Meißner sei in vieler Hinsicht der ideale Preisträger für den Schirbort-Gedenkpreis, sagt Brandt.

Daten – die Bezahlwährung der modernen Zeit

In seinem Buch „Die elektronische Patientenakte“ hebt Meißner mahnend den Zeigefinger: Daten seien die Bezahlwährung der modernen Zeit. Jetzt nicht nur bei
Amazon, Google oder Microsoft, sondern auch im deutschen Gesundheitswesen. „So unbemerkt, wie Sie eine elektronische Patientenakte bekommen, so unbemerkt
fließen die Daten dann weiter an ein staatliches Forschungsdatenzentrum. Sind die Daten einmal dort, ist keinerlei Kontrolle mehr möglich. Hier soll dann die forschende Industrie die Nutzung der Daten beantragen können. Entscheidend dabei ist der Nutzungszweck, nicht der Absender. So könnten auch Konzerne wie Amazon und Google hier Daten anfordern, denn auch sie und ihre Tochterunternehmen sind im Gesundheitsbereich aktiv. Die Daten sollen für gemeinwohlorientierte Forschung genutzt werden – die sich jedoch selten von Gewinnorientierung trennen lässt“, weiß Meißner. Für ihn sind nicht Daten die entscheidende Währung im Gesundheitswesen, sondern Schweigepflicht und Vertrauen.

„Für mich ist wichtig, dass das Gesagte im Raum bleibt, und nicht andere Interessen als Behandlung und Beratung eine Rolle spielen“, betont der engagierte Psychiater.

 

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Medienkontakt: Harald Langguth, mobil 0177/2304600, h.langguth@jamedia.net